Rasenpflege

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Rasenpflege – Unkrautbekämpfung

Wie Stolz habe ich von dem schönen Rasen berichtet, der bei mir durch gute und intensive Pflege gewachsen ist. Aber nach drei Wochen Urlaub jetzt die Ernüchterung:

Der Rasen schwächelt! Trotz kurzfristiger Besserung nach Eisendüngung, fehlt die Farbe. Das Gras ist mit Unkraut durchsetzt. Neben Weissklee haben sich diverse Wegericharten, vor allem der Breitwegerich festgesetzt und den Rasen verdrängt. Sehr ärgerlich ist auch die Hirse, die sich überall breit macht. Diese hatte ich zwar schon zwei mal per Hand in Einzelarbeit entfernt, aber es waren wohl noch genügend Samen im Boden um sie immer wieder aufkeimen zu lassen, sobald der Rasen nicht „Top-Fit“ ist. Typisches Problem einer Monokultur eben.

Während Klee den Meisten noch ein Begriff sein dürfte ist die Hirse eher unbekannt. Meistens wird sie einfach als „Wiesengras“ bezeichnet, was zwar prinzipiell nicht verkehrt ist, weil Hirse ja auch zu den Gräsern gehört, aber wenn man einen Namen hat, kann man ihn auch benutzen. Und so sieht sie aus:

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Klee:
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Breitwegerich:
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Jetzt heißt es also das Unkraut zu entfernen. Egal ob man nun ein Freund von Chemie ist oder nicht, muss man nun ein paar Daten und Fakten sammeln. Zunächst muss man bestimmen welches Unkraut man überhaupt vorfindet. In der Regel wird man also im Internet nach Bildern suchen um „sein persönliches Unkraut“ zu finden. Dies ist nicht immer einfach, weil viele Pflanzen im blühenden Zustand abgebildet werden. Hilft aber nicht, wenn man regelmäßig den Rasen mäht und nur die Pflanzenunterteile zu sehen bekommt. Hier ist etwas Feinarbeit gefragt, oder man sticht eben die wichtigsten aus und begibt sich ein ganz normales analoges Geschäft. Dort kann man dann auch gleich die passenden Unkrautvernichter kauften. Als Chemiker bin ich hier etwas hin- und her gerissen. Einerseits ist es sehr interessant aus chemisch-biologischer Sicht wie diese Stoffe wirken, andererseits will ich „Chemie“ (extra etwas plakativ und vereinfacht dargestellt) vermeiden.

Die chemische Keule anwenden ist kein Problem, die Unkräuter werden mit hoher Wahrscheinlichkeit beseitigt. Grundproblem wird aber die Frage sein, warum diese Pflanzen sich überhaupt ausbreiten KÖNNEN. In der Regel wächst nämlich ein gesunder Rasen so dicht, dass die Samen der Unkräuter gar keine Chance bekommen zu keimen, oder die Unkräuter werden einfach verdrängt. Zudem braucht Gras häufig ganz andere Nährstoffe um gut wachsen zu können. Es gilt also für eine dauerhafte Unkrautbekämpfung zunächst den IST-Zustand des Bodens zu ermitteln, diesen so zu optimieren, dass er für Rasen am Besten geeignet ist und damit erledigt sich das Unkrautproblem von ganz alleine (theoretisch). Praktisch wird es nie 100%ig passen, aber dafür kann man auf große Mengen Herbizide verzichten und muss nur vereinzelt hier und da eingreifen. Die richtige Kombination ist wichtig.

Schritt 1: Was wächst da überhaupt?

Bei mir ist es vor allem Hirse, Klee und Breitwegerich.

Schritt 2: Wie werde ich es los?

Hirse ist eine Einjährige Pflanze, verteilt sich also nur durch Samen. Besonders auffällige Stellen sollte man Ausstechen, ansonsten so weit Mähen, dass es nie zur Blüte kommt, damit ist dann im nächsten Jahr Schluss, sofern man sich nicht durch die Nachbarschaft wieder neue „einfängt“. Bei dichtem Rasen aber kein Problem.

(Breit-)wegerich ist hier schon schwerer in den Griff zu bekommen. Unser Boden neigt zu starker Verdichtung was der Breitwegerich so liebt, dass er sogar als „Zeigerpflanze“ bezeichnet wird. Also kann man Vertikutieren und versuchen Material einzubringen, das den Boden dauerhaft auflockert. Oder eben Stechen, Stechen, Stechen…
Dünger mit Unkrautbekämpfungsmittel kann ab dem zweiten Jahr gut helfen, oder man nimmt sich jede Pflanze einzeln vor und bestreicht sie vorsichtig mit einem Totalherbizid, das über die grünen Blätter wirkt. Dies birgt aber die Gefahr, dass der Rasen auch zerstört wird. Also äusserste Vorsicht mit Produkten die Beispielsweise Glyphosat enthalten. Zudem sollte man mit Handschuhen Arbeiten (LABOR(!)-Handschuhe), da der Stoff gesundheitlich nicht unbedenklich ist. Ach ja.. zu erwähnen ist vielleicht, dass Wegeriche als Heilpflanzen sehr beliebt sind/waren. Ich habe mal ein Blatt aus neugier probiert und muss sagen, dass es überraschend gut geschmeckt hat :D. Sie sollen angeblich entzüngundshemmende Wirkung haben, schleimlösend wirken und Kaffee kochen. Ich rate ab es selbst auszuprobieren, ich will nicht verantwortlich für irgendwelche Folgen gemacht werden!

Klee wiederum lässt sich, sofern es nur einzelne Stellen sind gut Ausreißen, wobei man darauf achten sollte sich den „Ärmchen“ entlang zu arbeiten und diese aus dem Gras erst mal abzuheben, bis man an der Hauptwurzel ist und diese komplett entfernt. Zudem sollte man ihm etwas erschwerte Bedingungen verschaffen: Klee hasst Eisen im Boden. Wenn man also sowieso dem Rasen ein tiefes Grün verpassen möchte und mit Eisen düngen will, tut man gleich auch etwas gegen den Klee.
Aber Vorsicht: Nahezu alle mir bekannten sogenannten „Eisendünger“ enthalten Eisensulfat. Dieses bereichert den Boden zwar hervorragend mit Eisen, aber aus dem Sulfatrest bildet sich schweflige Säure, die den Boden aufsauert. Das stört zwar den Rasen nur unwesentlich, aber sorgt wiederum für gute Bedingungen für den Klee. Der Boden-pH-Wert sollte dringend im Auge behalten werden. Anheben tut man ihn durch Kalken des Bodens. Man sollte zumindest einige Male seinen Boden-pH bestimmen bis man ein Gefühl dafür bekommen hat. Viele kalken den Rasen auch einfach „pauschal“. Aber da ist etwas Erfahrung gefragt. Wobei man generell sagen kann, dass der Boden-pH in der Regel zu niedrig (sauer) ist. Das liegt auch an den Huminstoffen (sie machen Kompost zu einem wertvollen Dünger).

So… jetzt… spätestens jetzt… klingt es sehr nach Chemielabor 🙂

Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch etwas ist. Es gibt Messgeräte und Teststreifen die sich verfärben und so ziemlich gut den pH-Wert anzeigen. Es geht hier auch nicht um absolute Werte, sondern eher um „Tendenzen“.
Allerdings ist beim Boden einiges anders als bei den üblichen Messungen. „Normalerweise“ wird eine wässrige Probe untersucht. Das ist hier auch so, aber Erde ist nun mal nicht wässrig (ausser die Schlammpackung nach einem Platzregen vielleicht).
Also erscheint es logisch etwas Erde in Wasser zu geben (Destilliertes Wasser!). Man erhält einen pH-Wert, der bei typischen Böden leicht sauer ist.  Zur Erinnerung: ein pH-Wert von 7,0 ist neutral. Wem jetzt die Werbung einfällt von Seife die angeblich neutral ist, dann aber einen pH von 5,5 angibt…. stimmt.. die Seife ist relativ zur menschlichen Haut (angeblich optimaler Haut-pH-Wert ist nämlich 5,5) neutral!
Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn in Wirklichkeit ist der Boden noch viel saurer, was daran liegt, dass die organischen Bestandteile Säure nachliefern, vor allem die angesprochenen Huminstoffe, Sulfatreste der letzten Eisendüngung usw. ). Eigentlich muss an hier nicht von Säure sprechen, sondern es sind  H3O+-Ionen, die auch gerne als Protonen bezeichnet werden von denen ich hier schreibe (hat nichts mit Kernkraftwerken und Atomphysik zu tun… hier sollte nichts Strahlen).
Somit tritt also der Effekt auf, dass wann immer ich etwas basisches hinzufüge, oder aus irgendeinem anderen Grund die Säure neutralisiert wird, neue Säure nachgebildet wird.

Um diesen Effekt – die sogenannte potentielle Acidität bei der Messung auch mit einzuschließen wird nicht destilliertes Wasser, sondern eine 0,01 molare Lösung von Calciumchlorid, oder manchmal auch Kaliumchlorid benutzt.
Diese kann man sich als fertiges Testkit kaufen, oder in der Apotheke anmischen lassen. Vielleicht kennt ihr aber auch jemanden, der euch das Zeug besorgen kann. Die Kits sind recht teuer.

Nachdem der pH-Wert bekannt ist, kann man dann entsprechend Kalken. Ist er wider der Erwartung zu hoch…. abwarten… das gibt sich schnell… 😀

 

Und jetzt viel Spaß bei der Gartenarbeit!

 

 

 

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