Sommer, Sonne, Hitze, Pool? Die Poolchemie muss stimmen…

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Der eigene Pool im Garten

In den Supermärkten gibt es sie in allen Größen und Formen: Ein Pool muss nicht mehr ein Fest gebautes Ungetüm mit eigenem Geräteraum sein, sondern kann schnell und bequem aufgebaut und am Ende der Saison wieder verschwinden.
Da es relativ lange dauert, bis das Wasser Badetemperatur hat, will man natürlich das Wasser so lange wie möglich im Becken halten, ohne es auszutauschen. Hier wird man nicht um den Einsatz der richtigen Poolchemie herumkommen.
Nicht jeder hat einen Brunnen oder eine Zisterne (oder vertraut diesem Wasser vorbehaltlos), daher werden viele Pools mit kostbarem Trinkwasser befüllt.
Kostbar einmal, weil Wasser eine knappe Ressource ist und zum andern, weil so ein Pool schnell mal 4000-9000L Wasser (also 4-9m³) fassen kann und das tatsächlich zu Wasserkosten führen kann, die man einkalkulieren muss.

Unser „Pool“ hat einen Durchmesser von 3,66m und eine Höhe von 91cm. Es ist ein klassischer „Quick Up Pool“ der Firma Intex, mit Kartuschenfilteranlage, Skimmer und Leiter. Im Vergleich zu den früheren Plantschbecken, also Luxus pur. Um die Poolchemie kümmer ich mich seit jeher selbst.  Zunächst einmal sollte man wissen, wie viel Wasser man überhaupt im Pool hat um die Poolchemie auch richtig zu dosieren. Hier verschätzt man sich schnell. Das Wasservolumen berechnet sich wie folgt:

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V=(d/2)^2*π*h

mit:
d=3,66m
h=0,91m
π=3,1415

V=9,574m³=9574L

Gut… wenn wir ihn etwas weniger weit füllen ist es etwas weniger, aber es ist immer noch eine Menge. Nehmen wir mal an wir haben das Wasser frisch eingelassen, dann ist erst mal alles gut, was sich aber innerhalb von zwei/drei Tagen schnell ändern kann:

Die üblichen Verdächtigen und „Feinde“ sind vor allem Algen und Bakterien, die sofort nach Befüllung anfangen zu wachsen, besonders wenn das Wasser steht und wärmer wird.
Dem kann man bei einer Kartuschenfilteranlage nur entgegenwirken wenn man das Wasser desinfiziert, reinigt und Keim- sowie algenhemmende Mittel zugibt. Trotz allem Aufwand wird man auch immer von Zeit zu Zeit einen kleinen Teil des Wassers austauschen müssen.

Poolchemie gegen grüne oder blaue Beläge und schwimmende Fadenalgen gibt es in zwei Varianten:

Zum einen gibt es gegen die Algenplage Standardmittel, die leicht schäumen (was aber nicht wirklich stört). Dieses sollte man sofort, am Besten während dem Befüllen,  in der entsprechenden Dosierung zugeben.
Danach wird der pH-Wert des Wassers gemessen! Dies ist wichtig für den nächsten Schritt, der Chlorung.
Chlor desinfiziert das Wasser sehr gründlich. Es gibt Alternativen, wie Salzwasserpools, Ozondesinfektion, UV-Desinfektion etc., diese sind aber eher den „fortgeschrittenen“ Anwendern nützlich, die vermutlich auch nicht mehr auf die Kartuschenfilter setzen, sondern direkt einen Sandfilter anschließen (was problematisch ist, weil die Filter oft schlicht überdimensioniert sind, was auch wieder zu Problemen führen kann, doch dazu später mehr).

Als weiteres Hilfsmittel gibt es dann noch spezielle nicht-schäumende Algenmittel. Diese sind etwas teurer, haben den gleichen Effekt und ihr Einsatz im Prinzip nur davon abhängig, ob es einen stört, dass sich ab und an ein paar Schaumblasen bilden können.

Wozu den pH-Wert einstellen, ermitteln und was ist das überhaupt?

Der pH-Wert gibt – einfach für nicht-Chemiker erklärt – an, wie sauer oder basisch das Wasser ist.
Ein pH-Wert von 7,0 steht für neutrales Wasser. Der pH-Wert der menschliche Haut liegt bei etwa 5-6. Im Pool wird ein pH-Wert von 7,0 bis 7,4 angestrebt, also eher im leicht basischen Bereich.

Nachmessen kann man das mit vielen Methoden: Färbetabletten, Teststreifen, Messgeräte mit Elektrode… ich habe vieles ausprobiert und auch wenn die Handhabung etwas hakeliger ist gibt es für mich nur die Variante mit Färbetabletten.

Die Teststreifen sind sehr ungenau und es ist nicht immer leicht die Verfärbung der Testfelder zu interpretieren. Zudem ist die Beurteilung auch stark von den Beleuchtungsverhältnissen abhängig. Diese Sticks sind zwar günstig, aber ich rate davon ab.

Die elektronischen Messgeräte müssen regelmäßig kalibriert werden (Zusatzkosten für entsprechende Kalibrierflüssigkeiten) und zeigen teilweise stark schwankende Messwerte, zumindest die günstigen Geräte von denen wir hier reden.
Wer mehr als 300€ ausgeben möchte bekommt natürlich gute Geräte mit guten Elektroden (WTW ist hier „der“ Hersteller“. Hanna hat teilweise auch ganz passable Lösungen).
Daher – und weil es eine der gängigsten Methoden ist um den pH-Wert auf die Poolchemie einzustellen – gehe ich zunächst nur auf die Messung mit Tabletten ein:

Diese hat den Charme, dass sie auch den Chlorgehalt gleich mitangeben kann und im Gegensatz zu den elektronischen Messgeräten mit Potentialmessungen nicht ganz so empfindlich auf andere Stoffe im Wasser reagiert.

Eine Wasserprobe wird in eine Küvette (Plastik- oder Glasbehälter) gefüllt, eine Phenolrot Tablette und – falls der Chlorgehalt bestimmt werden soll – eine DPD 1 Tablette in die andere Kammer gegeben. Verschließen, schütteln, fertig! Die Farbe kann im Sonnenlicht mit einer Skala verglichen werden.
Mit etwas Übung fällt das Ablesen nicht schwer. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass der Farbverlauf der Skala eben nur „ungefähr“ der Farbe der Lösung entspricht.

pH-Testkit für die richtige Poolchemie
Typischer Testkit mit Färbetabletten zur Wasserkontrolle

Um zu verstehen, warum gerade dieser pH-Wert angestrebt wird muss man sich vor Augen führen, dass viele Parameter stimmen müssen, damit der Pool die Saison über „läuft“ und darüber hinaus auch noch ein paar Jahre hält: Metalle können korrodieren, Ablagerungen von Kalk, Metallen aus Leitungen oder im Wasser gelöst pH-Wertabhängig entstehen usw.
Durch diese und weitere Faktoren wird der „nutzbare“ pH-Bereich immer mehr eingegrenzt, bis eben die 7,0 – 7,5 herauskommen. In diesem Bereich kann auch die Chlorung – einer der wichtigsten Methoden zur Desinfizierung (Bakterien!) vernünftig funktionieren.

Wie gehe ich jetzt vor? Das ist alles zu kompliziert?

Im Prinzip funtkioniert Poolchemie ganz einfach:

Der Pool steht da, ob frisch befüllt, oder schon länger ist egal, die Schritte sind immer die gleichen:

  • pH-Wert mit „Phenol Red“ bestimmen
  • Ist der pH zu „hoch“ (größer 7,4) = pH-Minus zugeben
  • Ist der pH zu „tief“ (kleine 7,0) = pH-Plus zugeben
  • Chlorwert messen. Dieser sollte zwischen 0,6 und max. 1,0 liegen
  • Ist der Chlorwert zu niedrig Schnellchlor zugeben
  • Ist der Chlorwert zu hoch nichts unternehmen sondern einfach abwarten, Chlor wird relativ zügig abgebaut. Ab 1,5 sind Hautreizungen zu erwarten, bei sehr empfindlichen Menschen auch schon etwas früher.
  • Ist (nach erneuter Messung) der Chlorwert korrekt: Langzeitchlor in der richtigen Dosierung über den Schwimmdosierer zugeben, ansonsten mind. 1x täglich mit Schnellchlor nachjustieren.

Noch etwas Theorie zur Poolchemie:

Was ist pH-Plus:

Im Prinzip eine Lauge, die meisten Produkte enthalten Natronlauge (NaOH). Diese reizt natürlich in der konzentrierten Form wie sie geliefert wird die Haut, das ist später im Becken aber nicht mehr zu befürchten, weil die Verdünnung enorm ist und wir ja im fast neutralen Bereich arbeiten, jedoch muss man bei der Handhabung etwas aufpassen!
Es ist ratsam zumindest Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille zu benutzen, Spritzer der Konzentrierten Lösung können – wie fast bei jeder konzentrierten Chemikalie – starke Reizungen, in diesem Fall schlimme Verätzungen hervorrufen.

Zur Info: Die Packung pH-Plus, die ich für meinen Pool habe ist seit dem Kauf unangetastet, weil das Wasser bei uns schon leicht alkalisch aus der Leitung kommt und eine „Übersäuerung“ so gut wie nie das Problem ist.
Übrigens sollte man natürlich auch aufpassen, dass man nichts verschüttet. Abgesehen, von den Schäden am Material, können auch unerkannte Verätzungen an Füssen, versehentliche Aufnahme durch die Hände usw. später sonst zu ernsthaften Problemen führen.

 

Was ist pH-Minus:

pH-Minus wird in der Regel entweder als salzartiges leicht gelbliches „Pulver“ vertrieben, oder als Flüssigkeit.
Hier entscheidet der persönliche Geschmack (der eine hat halt rieselfähiges Salz lieber, der andere hantiert lieber mit Flüssigkeiten).
Gleich ist immer, dass es sich hierbei um Schwefelsäure als aktiven Wirkstoff handelt.
Beim Salz wird diese übrigens erst beim Auflösen im Wasser freigesetzt, weswegen man hier „mehr“ verbraucht, als bei den Flüssigkeiten.
Auch diese Chemikalie aus unserem Poolchemie Arsenal ist ätzend und die Sicherheitsratschläge vom pH-Plus (Handschuhe, Schutzbrille) sind auch hier anzuwenden und auch hier sollte nichts daneben gehen.

Ganz wichtig: Nicht ph-Plus und pH-Minus zusammenschütten oder direkt zusammen Lagern. Etwas Abstand einhalten!

Was ist „Schnellchlor“?

In der Regel ist es Natriumhypochlorid entweder in Granulat oder flüssiger Form.
Ich selbst verwende das Bayrol Chloriliquid, aber auch das ist Geschmackssache. Diese Chlorform sorgt zu einem sehr schnellen Anstieg des Chlorgehalts auf die gewünschte Konzentration. Deswegen eignet es sich auch zur „Stoßchlorung“ um gezielt Trübungen zu eliminieren, oder Keime abzutöten. Es entfärbt und schädigt die Kunstoffteile im Pool wenn es pur damit in Kontakt kommt, daher ist etwas Vorsicht geboten. Das Produkt ist übrigens auch als „Chlorbleichlauge“ bekannt und wird auch im Haushalt gerne zum Bleichen und Desinfizieren genommen. Absolut wichtig ist hier: Niemals mit Säure mischen, sonst wird das Chlor schlagartig freigesetzt was zu schweren Verätzungen der Atemwege führen kann, bzw. sogar zum Ersticken, wenn keine Frischluft vorhanden ist.

Die Stoßchlorung

Eine Stoßchlorung wird immer dann durchgeführt, wenn das Wasser trübe, undurchsichtig und/oder grün ist. Hierbei wird durch einen radikalen schnellen und starken Anstieg des Chlorgehalts Keime, aber vor allem auch die Algen abgetötet. Hierbei gilt ausnahmsweise mal „Viel hilft viel“. Bei zu zögerlicher Dosierung über einen langen Zeitraum können Algen durchaus eine gewisse Chlorresistenz gewinnen was oft zu einem Komplettausch des Wassers führt. Bei der Stoßchlorung wird der Chlorgehalt des Wassers üblicherweise auf etwa 2mg/L angehoben, aber auch 2,5mg/L sollte dem Pool noch nicht schaden. Dieser Vorgang wird mit „Schnellchlorgranulat“ durchgeführt und die Umwälzpumpe sollte gut(!) laufen damit sich auch alles gleichmäßig verteilt. Je nach Leistung der Filteranlage kann es jetzt einige Zeit dauern, bis das Wasser klar wird, durch die organische Belastung sollte der Chlorgehalt aber rasch sinken. Länger als ein bis zwei Tage hat es bei mir nie gedauert, bis der Chlorgehalt wieder bei „gerade so“ nutzbaren 1,0mg/L lag. Die Trübung ist selbst bei Kartuschenanlagen in der Regel nach spätestens drei Tagen verschwunden.
Wenn nicht: die Poolchemie etwas höher dosieren und erneut Stoßchloren. Aber wichtig: Den pH-Wert im Auge behalten, da er stark schwanken kann! Häufiges Messen der Wasserwerte bis zu vier Mal am Tag kann vorkommen. Der Verbrauch an Chlorgranulat liegt bei geschätzen 10-15g/m³ Wasser, aber trotzdem nachlesen und im Zweifel die Dosierung des Herstellers verwenden.

Unterstützend kann man mehrmals täglich (3-4 Mal) die Beckenränder und den Boden mit einem Tuch oder Schrubber abwischen, damit angelagerte Beläge mit herausgefiltert werden. Die Kartusche muss in der gesamten Zeit oft gereinigt werden, danach empfehle ich sie sogar zu wechseln.

Kartusche der Filteranlage reinigen

Um handelsübliche Kartuschen zu reinigen gibt es im Zubehör sündhaft teure Aufsätze für den Gartenschlauch. Diese sind Effektiv und haben ihre Berechtigung, da andere Methoden durchaus zu einem gewissen Teil zur Verschmutzung der Umgebung führen können. Ich mache es immer so, dass ich mir ein Stück Rasen suche, das sowieso gerade etwas Wasser gebrauchen kann und nehme dann den Gartenschlauch. Wasser anstellen, und das offene Schlauchende so mit dem Daumen zusammendrücken, dass ein harter Wasserstrahl entsteht. Diesen nun durch die Rillen/Falten des Filters wandern lassen (von Oben nach Unten) und damit die Beläge entfernen. Danach die Kartusche drehen und das Gleiche nochmals durchführen. Zuletzt nochmal den Innenkern grob abspritzen und den Filter wieder zusammenbauen und in Betrieb nehmen. Bei starker Algenlast, oder hohem Einsatz von Cremes, Sonnenschutzprodukten und ähnlichem der Badegäste kann es manchmal schwierig werden, den glitschigen Belag loszuwerden, deswegen lieber etwas öfter reinigen. Mir ist noch nie ein Filter gerissen. Pro Badesaison verbrauche ich etwa 2 Filterkartuschen.

—Wird fortgesetzt—

Was ist Langzeitchlor?

Was ist Algenex/Antialgenzusatz etc.?

 

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2 Gedanken zu „Sommer, Sonne, Hitze, Pool? Die Poolchemie muss stimmen…“

  1. Vielen Dank für Uhren gut und verständlich gschriebenen Beitrag zur Poolpflege. Endlich ph werte etc. gut und für den Laien erklärt und „auf den Punkt“ gebracht.
    Viele Grüße vom _niederrhein
    E.H.

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